Gedächtnis: Was ist das?

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Wir wissen alle ungefähr was das Gedächtnis ist! Aber was ist es denn genau? Wie könnte man das Gedächtnis definieren? Wo befindet sich das Gedächtnis? Wie funktioniert es? All das und vieles mehr erfährst du hier!

Kurzgesagt: Was ist das Gedächtnis?

Eine kleine Definition: Was ist das Gedächtnis?

Unser Gedächtnis beschreibt die Fähigkeit von unserem Gehirn Informationen zu verarbeiten, für eine gewisse Zeit zu speichern und bei Bedarf abzurufen. Es entstehen Erinnerungen. Diese sind lebensnotwendig und beeinflussen unser zukünftiges Handeln.

Das Gedächtnis besteht aus vielen Vernetzungen und Bestandteilen – so wie ein Puzzle

Unser Gedächtnis ermöglicht also, Erinnerungen zu erschaffen und damit mit unserer Umwelt zu interagieren. Ohne Erinnerungen könnten wir weder Sprache lerne, noch eine Identität besitzen oder Beziehungen zu Menschen führen.

Des Weiteren spielt das Gedächtnis eine wichtige Rolle um uns vor Gefahren schützen zu können! Nur es gibt uns die Fähigkeit aus früheren Erfahrungen zu lernen und uns dementsprechend an zukünftige Situationen anpassen zu können! In ihm werden Fakten, Eindrücke aber speziell Erfahrungen und Gewohnheiten gespeichert und bei Bedarf in Erinnerung geholt!

Die Geschichte des Gedächtnis

Das Gedächtnis ist bereits seit langer Zeit ein zentrales Thema der Wissenschaft! Bereits früher fragten sich Philosphen über den Sitz des Gedächtnis.

So verglich Platon beispielsweise das Gedächtnis mit einer Art Wachstafel. Platon dachte in unserer Seele gäbe es etwas mit einer Eigenschaft wie Wachs. Wenn man in Wachs etwas abdruckt, so können wir uns dort etwas notieren, wenn wir es aber glatt streichen so wird die Information gelöscht! Ähnlich also wie bei dem Gedächtnis ! [1]

Der Vergleich mit der Wachstafel wurde lange Zeit von vielen Wissenschaftler verwendet und findet sich auch heute in unserer Sprache wieder. Wenn wir von „eindrucksvollen Erlebnissen“ sprechen, so geht ums Erlebnisse, die wir besonders gut im Gedächtnis behalten haben oder „besonders gut in die Wachstafel eingedrückt haben“.

Das Gedächtnis aus neurologischer Sicht

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Das Gedächtnis!

Als Gedächtnis wird kein einzelner Ort im Gehirn bezeichnet, sondern eine Summe von Aktivitäten auf verschiedensten Hirnregionen. Aus neurologischer Sicht ist unser Gedächtnis also eine Reihe kodierter neuronaler Verbindungen im Gehirn.

Damit aber erstmal etwas ins Gedächtnis gespeichert werden kann, müssen wir es erstmal dort „hinbringen“. Diesen Prozess könnte man wohl als Lernen bezeichnen! Beim Lernen geht man wiederum davon aus, dass sich das Gehirn aus mehreren Milliarden Nervenzellen zusammensetzt, die miteinander kommunizieren! Durch Lernen sendet man elektrische Impulse, die im Gehirn umgesetzt werden. Wenn ein solcher Impuls im Gehirn ankommt werden Neurotransmitter ausgeschüttet und die nächsten Neuronen werden aktiviert. [2]

Wie das Gedächtnis funktioniert!

Früher glaubten die Menschen häufig, dass unser Gedächtnis wie ein Aktenschrank oder eine Bücherei funktioniert und jedes Buch oder jede Akte eine gewisse Erinnerung darstellt. Regelmäßig wird das Gedächtnis auch mit einer Art Festplatte verglichen. Allerdings scheint beides nicht richtig zu sein.

neuronen

Neuronen

Neuronen bzw. Nervenzellen kommunizieren miteinander über synaptische Verbindungen, wenn bestimmte Neurotransmitter (Botenstoffe) vorhanden sind. Jede Gehirnzelle kann unzähliger solcher Synapsen bilden, weshalb es wohl insgesamt einige Billionen Synapsen im Gehirn gibt.

Aber erst wenn Neuronen durch mehrere gleiche Neurotransmitter stimuliert werden, entstehen Erinnerungen. Das heißt: Wenn eine Gehirnzelle Signale an einen Nachbarn sendet, so wird die Verbindung stärker und umso mehr Signale gesendet werden desto stärker wird die Verbindung bzw die Synapse.

Umso häufiger wir also eine neue Information verwenden (z.B. wenn wir Vokabeln lernen), desto mehr werden bestimmte Gehirnzellen beansprucht und es entstehen mehr Synapsen. Folglich wirst du z.B. in dieser Sprache immer besser! Wenn du dann aber mal ein halbes Jahr die Vokabeln überhaupt nicht verwendest, so hat das Gehirn keinen Grund dazu, diese Informationen zu behalten und du vergisst sie ganz einfach! Dazu später mehr!

Zuerst kommt die Wahrnehmung

Um Erinnerungen speichern zu können müssen Informationen anfangs erstmal wahrgenommen werden.Das Gedächtnis beginnt also mit der Wahrnehmung.

Wenn Sie sich an ein Erlebnis wie zum Beispiel die erste Liebe erinnern, so begannen Ihren Augen wahrscheinlich zuerst mal körperliche Merkmale zu untersuchen während der Gehörsinn die Stimme und der Geruchsinn das Parfum wahrgenommen hat.

Alle diese Informationen gelangen anfangs in den Hippocampus, welcher gemeinsam mit anderen Teilen des Gehirns diese Informationen analysiert und darüber entscheidet, ob diese Informationen auch für später relevant sein können und ins Langzeitgedächtnis gespeichert werden sollen.

Im Alltag gelangen aber nur sehr wenige Erinnerungen wirklich in das Gedächtnis – der größte Teil der Wahrnehmungen wird einfach herausgefiltert! Anders ist das aber natürlich bei der ersten Liebe oder auch manchmal bei negativen Erlebnissen wie ein Unfall!

Kurz- und Langzeitgedächtniss

Es gibt zwei hauptsächliche Möglichkeiten um Informationen in unserem Gehirn zu speichern: Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis!

Während im Kurzzeitgedächtnis Erinnerungen in der Regel nicht länger als wenige Minuten gespeichert werden, so können im Langzeitgedächtnis über Jahre Informationen gespeichert werden.

Zeichnung Gehirn Hippocampus

Hippocampus – Zentrum für das Gedächtnis!

Der Hippocampus ist die Schaltstelle zwischen Kurzzeitgedächtnis und Langzeitgedächtnis. Informationen, die sich aktuell in unserem Kopf befinden, werden in Dinge umgewandelt in der wir uns auch noch später erinnern können!

Des Weiteren soll der Hippocampus gleichzeitige Erinnerungen verschiedenster Hirnregionen miteinander verbinden und sie zu einer einzigen Erinnerung machen!

Henry Molaison

Wie im Beitrag zum Hippocampus beschrieben gibt es sogar Menschen, die keine Erinnerungen im Langzeitgedächtnis speichern können. So war das bei Henry Molaison, der nach einer Entfernung des Hippocampusareals nicht mehr zur Speicherung von Erinnerungen im Langzeitgedächtnis fähig war. Er wusste also nach kürzester Zeit nichts mehr darüber, dass er gerade gegessen hat und soll deshalb teilweise mehrere Male hintereinande gegessen haben. Dennoch sein Verstand, seine Persönlichkeit und seine Wahrnehmung waren vollkommen intakt.

Das Vergessen

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Das Gedächtnis ist wie eine Festplatte – wie ein Computer!

Du hast jeden Tag so viel unterschiedliche Wahrnehmungen, welche unser Gehirn kontinuierlich filtert! Nur die allerwichtigsten Informationen können gespeichert werden.

Das Gehirn entscheidet also, welche Informationen wirklich von Relevanz sind! Informationen, die häufig vorkommen sind in der Regel wichtiger und werden vom Gehirn eher gespeichert!

Es ist also ganz normal ab und zu etwas vergessen. Besonders im Alter kann man sich oft schwerer an Dinge erinnern! Aber wenn Sie sehr oft etwas vergessen, so kann das auf ein ernstes Problem hinweisen und sollte unbedingt mit einem Arzt besprochen werden. Des Weiteren gibt es einige Tipps und Hausmittel um das Gedächtnis zu verbessern. Diese werden in einem zukünftigen Beitrag näher beschrieben!

Wo befindet sich das Gedächtnis?

Das Gedächtnis befindet sich nicht an einem bestimmten Ort im Gehirn und ist kein einfacher Speicher! Stattdessen ist es über das ganze Hirn verbreitet! Es ist eine Zusammenarbeit aus einer Summe an beteiligten Gehirnteilen – jedes mit seiner eigenen Funktion! Nur durch eine gute Zusammenarbeit all dieser Systeme kann das Gedächtnis gut arbeiten!

Wenn Sie an den letzten Urlaub denken so denken Sie vielleicht an die visuellen Aspekte des Ortes, den Meer-Geruch, das Gefühl der Erholung oder den Geschmack des landestypischen Essen! Jedes dieser Erinnerungen kann aber aus einer anderen Hirnregion stammen und nur wenn diese Regionen zusammenarbeiten kann unser Gedächtnis gut funktionieren. Wir bemerken aber nichts davon, dass alles eigentlich gentrennte Erfahrungen sind, die nur durch eine korrekte Zusammenarbeit verschiedenster Gehirnbereiche uns als ein ganzes vorkommen.

Interessant ist auch, dass wen wir beispielsweise ein Musikstück hören, wir häufig mit verschiedensten weiteren Erinnerungen wie z.B. wo wir das Stück zuletzt gehört haben überflutet werden!

Weitere Infos zum Gedächtnis

Unterschied Computer und Gedächtnis

Seit der Entwicklung des Computers in den 1940er Jahren wird die Festplatte regelmäßig mit unserem Gedächtnis verglichen. Und in der Tat gibt es einige Ähnlichkeiten! Dennoch gibt es auch sehr grundlegende Unterschiede. So ist das Gedächtnis ein großes Netzwerk mit wahrscheinlich Millionen von beteiligten Zellen die untereinander wiederum mit Synapsen verbunden sind, während eine Festplatte viel eher eine einfache diskrete vergleichsweise geordnete Sammlung von Dateien darstellt.

Schreiben statt Gedächtnis

Jede Kultur braucht einen Weg um das Wissen auch außerhalb des Gehirn an weiteren Generationen weiterzugeben. Während früher dazu speziell die mündliche Überlieferung von großer Relevanz war, so wurde durch die Erfindung der Schrift vor rund 8000-9000 Jahren eine weitere, genauere Möglichkeit zur Wissensübertragung gefunden.

Weitere Beiträge

Ich hoffe Ihnen hat der Beitrag zum Thema was das Gedächtnis ist gut gefallen! In Kürze werden Sie auf gehirnstark.com auch einen Beitrag zu Gedächtnisprobleme finden! Ansonsten freue ich mich sehr über Ihr Kommentar zu diesem Beitrag über das Gedächtnis!

Vielleicht interessieren Sie sich auch noch für weitere Beiträge zum Thema Gehirn und Gedächtnis wie etwa:

Info: In dieser Katergorie „Thema“ finden Sie zukünftig einige Erklärungen zu unterschiedlichen Gehirn-Themen!

Referenzen:
  1. https://www.researchgate.net/publication/325611790_Plato’s_Wax_Tablet
  2. Stangl, W. (2019). Lernen – Überblick. [werner stangl]s arbeitsblätter.
    WWW: https://arbeitsblaetter.stangl-taller.at/LERNEN/(2019-06-06).

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