Hypothalamus – Was ist das? | Funktionen | Krankheiten | Anatomie

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hypothalamus thumbnailKlein aber wichtig! Häufig auch „als Schaltzentrale“ unseres Körpers bekannt, übernimmt der perlengroße Hypothalamus eine Vielzahl an Aufgaben in unserem Körper. Von der Hormonproduktion über Aufrechterhaltung einer gesunden Körpertemperatur bis hin zur Steuerung des Sexualverhaltens! Aber was genau ist nun eigentlich der Hypothalamus? Was sind seine Aufgaben? Und was sind mögliche Folgen durch Störungen in diesem Gehirnbereich?

Was ist der Hypothalamus?

Der Hypothalamus ist ein Gehirnbereich im Zwischenhirn. Er befindet sich direkt unterhalb des Thalamus. Daher auch der Name Hypo-Thalamus (Hypo=unterhalb). Der Hypothalamus ist so wie u.a. auch der Hippocampus und die Amygdala Bestandteil des limbischen Systems!

Gehirn

Der Hypothalamus zählt zu den ältesten Bereiche im Gehirn

Er besteht aus einer Reihe verschiedener Kerne mit verschiedensten Funktionen und verbindet das Nervensystem über die Hypophyse mit unserem Hormonsystem (endokrines System).

Alle Gehirne von Wirbeltieren (inkl. Mensch) besitzen einen Hypothalamus! Genauer gesagt zählt der Gehirnbereich zu den ältesten Hirnbereichen überhaupt – und auch als eines der leichtesten!

In einem Erwachsenen wiegt der Hypothalamus gerade mal rund 4 Gramm. Zum Vergleich: Ein gesamtes erwachsenes Hirn wiegt in der Regel rund 1,4 kg! Und doch besitzt dieser winzige Bereich (so groß wie ein Fingernagel, eine Perle oder eine kleine Mandel) eine Summe neuronaler Schaltkreise, die grundlegende Lebensfunktionen steuern! [1]

Gemeinsam mit der Hiranhangdrüse (Hypophyse) bildet der Hypothalamus den Hypothalamus-Hypophysenkomplex, welcher manchmal auch als Kontrollzentrum unseres Hormonsystem bezeichnet wird. In dem Hypothalamus werden eine geringe Anzahl an Hormone ausgeschüttet, die wiederum Systeme wie die Hirnanhangdrüse dazu verleiten, andere Hormone im großen Stil zu produzieren und auszuschütten!. Andere Hormone des Hypothalamus wirken auch direkt auf das Zielgewebe. Dazu später mehr.

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Der Hypothalamus ist klein wie eine Perle – übernimmt jedoch eine Vielzahl an Körperfunktionen! [Images are generated by Life Science Databases(LSDB). [CC BY-SA 2.1 jp], via Wikimedia Commons]


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Funktionen des Hypothalamus

Der Hypothalamus ist das Kontrollzentrum zahlreicher autonomer Funktionen im peripheren Nervensystem. Dank seiner engen Verbindung mit dem Hormon- und Nervensystem spielt er eine wichtige Rolle bei der Homöostase!

Mit der Homöostase wiederum ist die Aufrechterhaltung eines gesunden Köpermileu über Systeme wie Kreislauf, Körpertemperatur, ph Wert sowie Elektrolyt- und Wasserhaushalt gemeint!

Der Hypothalamus ist beteiligt an der Kontrolle des / von: [1]

  • Hormonhaushalt
  • Stoffwechsel
  • Flüssigkeitshaushalt
  • Kreislauf: Blutdruck, Herzfrequenz
  • Elektrolythaushalt
  • Körpertemperatur (inkl. Schwitzen, Fieberreaktion)
  • zirkadine Rythmen, Schlaf-Wach-Rhytmus
  • Kontrolle von Fortpflanzungs-Hormonen (Sexualverhalten)
  • Nahrungsaufnahme (Hunger & Durst, Appetitkontrolle, Sättigungsgefühl)
  • Trieben, Emotionen, Bindungsverhalten
  • Sicht [13]
  • Glukosehomöostase (Blutzuckerregulation) [14]

Hormone des Hypothalamus

Der Hypothalamus übernimmt zahlreiche der oben genannte Funktionen, dank seiner Fähigkeit zur Hormonproduktion und -freisetzung.

Hormone steuern zahlreiche Körperprozesse!

Zu den Hormonen, die durch den Hypothalamus ausgeschüttet werden zählen freisetzende („releasing“) Hormone, welche an die Hirnanhangdrüse weitergeleitet werden und diese dazu bringt andere Hormone in größerer Menge zu produzieren und auszuschütten! Die von der Hirnanhangdrüse ausgeschütteten Hormone steuern wiederum entweder die Bildung anderer Hormone (z.B. in der Schilddrüse) oder wirken direkt auf das Zielorgan.

Neben den freisetzenden Hormonen werden im Hypothalamus aber auch hemmende Hormone, sogenannte „inhibiting hormones“ gebildet. Diese hemmen die Ausschüttung weiterer Hormone.

Releasing Hormones

Zu den freisetzenden Hormonen („releasing hormones“) zählen:

  • TRH (Thyrotropin Releasing Hormone) bringt die Hirnanhangdrüse dazu TSH zu produzieren, welches wiederum in der Schilddrüse die Produktion von Schilddrüsenhormonen anregt!
  • GH-RH (Growth hormone releasing hormone), auch bekannt als Somatoliberin, regt die Hirnanhangdrüse dazu an, das Wachstumshormon HGH (Somatropin) auszuschütten, welches für das Wachstum bei Kinder & Jugendlichen eine wichtige Rolle spielt! Es wirkt primär auf die Knochen, Knorpeln und Muskeln aber auch zum Beispiel auf die Leber wo es in sogenannte Somatomedine wie IGF-1 (Insuline Like Growth Factor) umgewandelt wird.
  • GnRH (Gonadotropin releasing hormone) bewirkt die Freisetzung von Fortpflanzungs-Hormonen wie LH und FSH in der Hirnanhangdrüse! Das Fortpflanzungs-Hormon FSH (follikelstimulierende Hormon) und das luteinisierende Hormon (LH) wiederum ist für eine korrekte Funktion männlicher & weiblicher Keimdrüsen, also Eierstöcke & Hoden erforderlich! Beim Mann ist LH besonders für die Produktion von Testosteron verantwortlich, während FSH die Spermienproduktion anregt! Bei der Frau fördern die Hormone die Reifung der Eizelle und infolgedessen den Eisprung.
  • CRH (Corticotropin-releasing Hormone) regt die Hirnanhangdrüse zur Ausschüttung von ACTH an! ACTH wiederum reguliert Funktionen der Nebennieren und fördert auch unter anderem die Produktion vom Stresshormon Kortison in der Nebennierenrinde!

Inhibiting Hormones

Zu den „Inhibiting Hormones“, also den hemmenden Hormonen zählen beispielsweise:

  • GHRIH (Somatostatin) hemmt u.a. die Ausschüttung von Wachstumshormonen (HGH). Neben Hypothalamus wird es auch von Bauchspeicheldrüse in kleinerer Menge ausgeschüttet.
  • PIH (Prolaktin-inhibiting Hormon) vermittelt als sogenanntes Prolaktostatin der Hypophyse, das Hormon Prolaktin zu hemmen! Neben der Funktion als „inhibiting hormone“ fungiert das auch als Dopamin bekannte PIH als Neurotransmitter in unserem Körper und spielt beispielsweise bei der Bewegung, Gedächtnis und Belohnung eine zentrale Rolle!

Effektorhormone

Als eine weitere Gruppe der Hypothalamus-Hormone lassen sich die sogenannten Effektorhormone zusammenfassen! Dazu zählen:

  • Oxytocin ist ein Hormon, welches seine Hauptrolle beim Geburtsprozess hat! Unter anderem kann es Wehen auslösen und die Brustdrüsen stimulieren.
  • Adiuretin ist an der Regulation des Flüssigkeitshaushalt im Körper beteiligt.

Wenig wird zu viel

Der Hypothalamus bildet freisetzende und hemmende Hormone. Diese Hormone werden an die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) weitergeleitet, ein sehr kleiner Gehirnbereich auf der Unterseite des Gehirn. Der Hypothalamus leitet eine winzige Menge an Hormonen an die Hirnanhangdrüße weiter. Diese Hormone regen die Hypophyse (Hirnanhangdrüse) dazu an, andere Hormone im großen Stil zu produzieren.

Beispielsweise bekommt die Hypophyse vom Hypothalamus Spuren des Hormon TRH. Dieses Hormon regt die Hypophyse nun dazu an TSH im großen Stil zu produzieren.

Die Anzahl und Wirkung der einzelnen Hormone muss stets an die Bedürfnisse unseres Körpers angepasst sein. Bei Stress – ob psychisch oder körperlich – steigt und sinkt beispielsweise die Produktion spezifischer Hormone. Auch andere Umgebungsfaktoren können die Produktion von Hormonen fördern bzw. reduzieren. Die Produktion, Ausschüttung, Transport und Aufnahme der Hormone muss stets aufeinander abgestimmt sein!

Hormonsystem hypothalamus schilddrüse

Verschiedenste Hormonsysteme in unserem Körper schütten unterschiedliche Hormone aus! Der Hypothalamus arbeitet  eng mit der Hirnanhangdrüse (Pituitary Gland) zusammen.[LadyofHats [Public domain], via Wikimedia Commons]

Anatomie

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Hypothalamus, Hirnanhangdrüse – 2 gut verbundene Nachbarn [Redlinux [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons]

Der Hypothalamus ist eine Struktur des Zwischenhirn (Diencephalon) unter dem Thalamus. Das Zwischenhirn gliedert sich in Thalamus, Hypothalamus, Epithalamus, Subthalamus und Metathalamus!

Ebenso wird der Hypothalamus als Bestandteil des limbischen System gezählt, zu dem auch andere Gehirnbereiche wie u.a. Hippocampus, Amygdala, Gürtelwindung, Corpus mamillare, Fornix und Thalamus zählen. Das limbische System ist primär für die Verarbeitung von Emotionen, vegetativen Funktion Gedächtnisbildung und Lernfunktionen verantwortlich!

Angesichts der grundlegenden Rolle des Hypothalamus bei verschiedensten physiologischen Funktionen gibt es in der Regel zwischen Person zu Person nur sehr geringe Unterschiede in der Anatomie dieses Gehirnbereichs. Lediglich ein Bereich innerhalb des Hypothalamus der sogenannte „sexually dimorphic nucleus of the preoptic area“ ist bei Männer rund doppelt so groß wie bei gleichaltrigen Frauen! [9]

Aufbau des Hyptohalamus

Der Hypothalamus besteht aus den Tuber Cinerum, Corpora mamillaria, Infundibulum, Eminentia mediana sowie der Neurohypophyse!

  • Tuber Cinerum 
  • Corpora mamillaria 
  • Infundibulum
  • Eminentia mediana
  • Neurohypophyse

Der Hypothalamus steht mit zahlreichen Zentren unseres Zentralnervensystems in enger Verbindung, insbesondere mit Kortex, Hirnstamm und Rückenmark!

Weitere wichtige Verbindungen sind vor allem zur Hypophyse (Hypothalamus-Hypophysen-Achse). Die beiden Hirnbereiche sind sowohl via Nerven, als auch über chemische Wege verbunden.

Zu den benachbarten Strukturen des Hypothalamus zählt zum Beispiel die Nasennebenhöhle. Auch der Thalamus sowie die Hirnanhangdrüse gilt als Nachbar.

Kerne des Hypothalamus [6]

Die Kerne des Hypothalamus werden in vordere, mittlere und hintere Kerngebiete geteilt! Jeder Kern und jede Kerngruppe mit seinen eigenen Funktionen!

So gibt zum Beispiel der Nuclei tuberales (aus der mittleren Kerngruppe) die vorher bereits erwähnten Releasing und Inhibiting Hormone an die Hirnanhangdrüse ab. Der Nucleus arcuatus schüttet insbesondere GnRH aus (siehe oben).

Die Nuclei preoptici aus der vorderen Kerngruppe regelt zum Beispiel unsere Körpertemperatur, ist aber auch an unserem Verhalten im Sexualleben beteiligt.

Der Nucleus suprachiasmaticus (ebenfalls aus der vorderen Gruppe) spielt eine besonders wichtige Rolle bei der Regulation zirkadiner Rhytmiken, aller voran den Schlaf-Rhytmus. Er ist ferner auch an der Steuerung von Melatonin, dem Schlafhormon, beteiligt.

Im Nucleus paraventricularis wird Oxytocin produziert, ein wichtiges Hormon während der Geburt. Ferner spielt er auch – gemeinsam mit dem Nucleus arcuatus – eine wichtige Rolle bei der Regulation der Nahrungsaufnahme.

Der Nucleus supraopticus produziert Adiuretin, auch bekannt als antidiuretisches Hormon, eines der wichtigsten Hormone für die Regulation unseres Flüssigkeitshaushalt! Ebenso kann er eine kleine Menge Oxytocin produzieren.

Die Kerne der hinteren Kerngruppe sind auch als Nuclei corporis mamillaris bekannt und bilden zusammen den sogenannten „Corpus mamillare“.

Die Einteilung des Hypothlamus in die 3 Kerngebiete: vorderes, mittleres & hinteres leitet sich primär von der Blutversorgung des Hypothalamus ab! Beispielsweise wird der vordere Hypothalamus primär von den den Abzweigungen der vorderen Hirngefäße und der vorderen Arteria communicans posterior versorgt!

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Thalamus, Hypothalamus & Hypophyse (pituitary gland) [OpenStax College [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons]

Krankheiten des Hypothalamus

Der Hypothalamus ist auch an zahlreichen Krankheiten beteiligt. Allerdings lässt sich das manchmal nur schwer erkennen, da Hypothalamus mit vielen anderen Drüsen zusammenarbeitet und an einer Summe an Funktionen im Körper beteiligt ist.

Hypothalamische Erkrankungen, also Erkrankungen die direkt die Funktion des Hypothalamus beeinträchtigen sind relativ selten. Manchmal kommen Sie jedoch als Folge von Kopfverletzungen, Operationen, Tumore, Infektionen, Gefäßproblemen, Traumata, Ernährungs- und Stoffwechselstörungen, degenerativen Prozessen und immunologischen Anomalien vor. Es kommen demnach sowohl genetische Faktoren als auch Umweltfaktoren als Ursache in Frage. [18]

Hier erfahren Sie nun die häufigsten Erkrankungen, die mit unserem Hypothalamus in Verbindung stehen.

Kallmann-Syndrom [22]

Das Kallmann-Syndrom ist eine angeborene Entwicklunsstörung des Hypothalamus. Bei Betroffenen kommt es zu einem Mangel an GnRH , ein Hormon, welches die Freisetzung anderer Hormonen wie LH und FSH aus der Hirnanhangdrüse reguliert. LH & FSH sind wiederum für die Bildung & Funktion von Keimdrüsen (Eierstöcke, Hoden) verantwortlich, übernehmen jedoch auch weitere Aufgaben bei der Fortpflanzung (siehe Abschnitt Hormone).

Daher beim Kallmann-Syndrom diese Prozesse gestört sind und es zu einem Mangel an GnRH kommt, kommen Betroffene verzögert oder gar nicht in die Pubertät. Ebenso leiden Patienten unter einem fehlenden Geruchsinn. Trotz der körperlichen Veränderungen beim Kallmann-Syndrom können Betroffene mit einer normalen Lebenserwartung rechnen.

Prader-Willi-Syndrom [12]

Auch das sogenannte Prader-Willi-Syndrom steht mit Veränderungen im Hypothalamus in Verbindung. Rund einer von 10.000 – 30.000 Personen ist von der vererbten Erkrankung betroffen. Beim Prader-Willi-Syndrom kommt zu Beeinträchtigungen des Körper, Geist & Verhalten. Als Säugling sind ein schwacher Muskeltonus, schlechtes Wachstum sowie eine allgemein verzögerter Entwicklung klassische Anzeichen.

Ein Prader-Willi-Syndrom zeichnet sich unter anderem in einem übermäßigen Hungergefühl aus!

Besonders charakteristisch ist aber der unersättliche Appetit, der bei Betroffenem zu einem kontinuierlichen Überessen (Hyperphagie) und infolgedessen zu Fettleibigkeit führt. Damit steigt bei Prader-Willi-Syndrom-Patienten auch das Risiko für andere Erkrankungen, etwa Diabetes Mellitus Typ 2.

Andere charakteristische Symptome des Prader-Wili-Syndrom sind Veränderungen des Verhalten, geistige Beeinträchtigungen, schwere Lernprobleme und zwanghaftes Verhalten. Auch körperliche Zeichen wie schmale Stirn, kleine Statur, unterentwickelte Genitalien und Augen geformt wie Mandeln sind charakteristisch.

Die Ursachen der Erkrankungen liegen in der Genetik. Abweichungen auf dem Chromosom 15 können  die Funktionsweise unseres Hypothalamus beeinträchtigen und damit u.a. Wachstum, Entwicklung, Appetit & Hungergefühl beeinträchtigen.

Essstörungen

Auch ein möglicher Zusammenhang zwischen unserem Hypothalamus und Essstörungen besteht! Störungen im Hypothalamus und damit verbundene Organe werden bei Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa gehäuft gefunden.

Esstörungen sind nicht rein psychisch – häufig besteht ein Zusammenhang mit dem Hypothalamus!

Im Allgemeinen entstehen Essstörung als Folge von Störungen der synaptischen Übertragung bestimmter Gehirnregionen wie Hypothalamus oder das Limbisches System im Allgemeinen. [15]

So werden beispielweise Signalstoffe wie Orexine und Ghrelin vom Hypothalamus produziert. Beide Signalstoffe können neben den Hormonen Serotonin und Dopamin eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Essstörungen spielen. Ebenso zeigte man, dass Frauen mit Essstörungen wie Anorexia nervosa vermehrt auch Störungen der Hirndurchblutung haben. [15]

Der Trieb zum Essen kommt bei gesunden Menschen aus dem Hypothalamus. Bei Menschen mit Essstörungen sind laut einer Studie aus dem Fachmagazin „Translational Psychiatry“ die Signalwege zum Hypothalamus deutlich schwächer ausgebildet. Eine potenzielle Überforderung des Hypothalamus kann dazu führen, die Signale zum Essen abzuwehren „aus Angst Gewicht zuzulegen“. [16]

Diabetes insipidus

Wer übermäßig viel trinkt und übermäßig viel Urin ausscheidet, könnte unter Diabetes insipidus leiden. Diese Erkrankung ist – trotz der Ähnlichkeit im Namen – sehr anders als Diabetes mellitus.

Übermäßiges Durstgefühl kann auf ein Diabetes insipidus hinweisen!

Man unterscheidet Diabetes insipidus renalis und centralis. Diabetes insipidus renalis ist eine Nieren-Erkrankung, die in der Regel vererbt wird oder durch Nieren-Schädigungen bedingt durch Medikamente entsteht.

Beim Diabetes insipidus centrales handelt es sich hingegen um eine Hypothalamus-Krankheit. Der Hypothalamus produziert entweder nicht ausreichend ADH (Antidiuretischen Hormon) oder aber der Transport von ADH von Hypothalamus zu Hypophyse bzw. die Speicherung in der Hypophyse ist gestört.

Es kommt zu einer vermehrten Harnausscheidung und ein gesteigertes Durstgefühl. Während beim Diabetes insipidus ein ADH-Mangel die Ursache ist, so gilt beim Schwartz-Bartter-Syndrom eine übermäßige hohe ADH-Ausschüttung als ursächlich.

Störungen des Hormonhaushalt

Erkrankungen des Hypothalamus haben sehr häufig Folgen auf unseren Hormonhaushalt. So kann es zum Beispiel durch eine Überproduktion an Hormonen im Hypothalamus auch zu einer Überproduktion von Hormonen in der Hypophyse kommen. Je nach überproduziertem Hormon kann es anschließend zu Folgen für das erzielte Organ kommen.

Auch Morbus Cushing kann auf veränderte Hormonspiegel im Hypothalamus zurückzuführen sein. Dabei handelt es sich um eine recht seltene Erkrankung, die sich insbesondere durch eine übermäßige Ausschüttung von dem Hormon ACTH in der Hirnanhangdrüse äußerst. Ursachen dafür sind zahlreich. Manchmal liegt Sie im Hypothalamus, wenn dieser zu viel CRH produziert, ein Hormon aus dem im späteren Verlauf ACTH wird.

ACTH fördert wiederum die Produktion von Cortisol und es kommt zu Symptome wie Fettleber, Vollmondgesicht, schwache Muskeln, Osteoperose, gestörte Glukosetoleranz, Hautprobleme, verzögerte Wundheilung sowie psychischen Veränderungen (z.B. Depression).

Tumore im Hypothalamus

Ein hypothalamischer Tumor ist eine Art Geschwür in der Hypothalamusdrüse. Als potenzielle Ursachen kommen sowohl genetische Faktoren, als auch Umweltfaktoren in Frage.

Häufig breiten sich Tumore naheliegender Organe aus und befallen den Hypothalamus. Bei Kinder sind die häufigsten hypothalamischen Tumore sogenannte Gliome, eine Art von Hirntumor, die sich aus Gliazellen bildet. Gliome können jedoch in jedem Alter auftreten und sind bei Erwachsenen aggressiver als bei Kinder.

Mögliche Anzeichen für einen Hypothalamus-Tumor sind recht unspezifisch und umfassen beispielsweise einen Verlust von Körperfett, Appetitverlust, Hyperaktivität, Kopfschmerzen sowie eine mangelhafte Entwicklung (inkl. Wachstum) bei Kinder. In einigen Fällen kann es auch zu epileptischen Anfällen oder einer verfrühten Pubertät kommen. Aufgrund der Nähe von Hypothalamus und Sehbahn kommt es manchmal auch zu Sehstörungen.

Als Diagnosemöglichkeiten kommen u.a. neurologische Untersuchungen, MRT, CT sowie Bluttests (auf Hormone) in Frage. Auch ein Test der Sehfunktion kann durchgeführt werden. Als Behandlung werden meist Chemotherapie, Strahlentherapie & Operationen durchgeführt. Die gewählte Behandlungsmaßnahme hängt von Art, Ort, Größe & Alter des Tumors ab.

Weitere Krankheiten des Hypothalamus

Weitere mögliche Hypothalamus Krankheiten sind Kraniopharyngeom, Pickardt-Syndrom, Pubertas praecox, Korsakoff Syndrom, bestimmte Schlafstörungen & weitere. Auch Hamartome und Läsionen kommen in Frage.

Entwicklungsstörungen wie Wachstumsprobleme und abnormale Pubertät kommen bei Kinder als Folge von Hypothalamus Erkrankungen in Frage. So kann eine unzureichende Produktion bzw. Aktivität von GHRH (Growth hormone releasing hormone) zu einem Mangel am Wachstumshormon (Growth Hormone) im Körper führen. Dieses ist jedoch für das Wachstum von Knochen & Muskeln von großer Bedeutung. Ein Mangel des Growth Hormone beeinflusst nicht nur die Größe, sondern auch Gewicht, Knochendichte und Muskelanteil!

Denkbare Folgen von Hypothalamus Erkrankungen wären auch Veränderungen des Blutzuckerspiegel, da der Hypothalamus gemeinsam mit dem Hirnstamm eine wichtige Rolle bei der Glukose-Homöostase, also der Regulation des Blutzucker spielt. [14]

Der Hypothalamus ist einer Summe an Körperfunktionen beteiligt und kontrolliert unser Hormonsystem. Dementsprechend kann er an verschiedensten Erkrankungen verschiedenster Körperbereiche beteiligt sein.

So bleibt der Hypothalamus lange gesund!

Der ein oder andere hat vielleicht bereits den Artikel über den Hippocampus gelesen und weiß, dass man rein theoretisch ohne ihn leben könnte. Anders ist das jedoch beim Hypothalamus! Tatsächlich ist der Hypothalamus eines der Organe ohne dem du nicht leben kannst. Der gerade mal 4 Gramm schwere Bereich ist an einer Summe an Körperfunktionen beteiligt. Besonders die Produktion von bestimmten Hormonen macht den Hypothalamus in seiner Funktion einzigartig.

Umso wichtiger also, dass der Hypothalamus gesund bleibt. Aber wie können Sie Probleme in dem Hirnbereich vorbeugen?

Ausreichend schlafen

In einer Studie aus dem Fachmagazin „Journal of Proteome Research“ konnte man zeigen, dass Schlafentzug zumindest bei Ratten zu Störungen im Hypothalamus führen kann. Weitere Studien sind jedoch notwendig um diesen Effekt bestätigen zu können. [20]

Aber wie viel Schlaf ist ausreichend? Dazu erfahren Sie im Beitrag „Wie viel Schlaf ist gesund?“ nähere Informationen.

Richtig essen

In einer weiteren Studie des Deutsches Zentrum für Diabetesforschung zeigte man, dass eine Ernährung mit einem hohen Anteil an Fett & Zucker hypothalamische Entzündungsreaktionen bei Mäusen stimuliert und zu zu Störungen bei der Kontrolle des Energiestoffwechsels führt. Einen solchen negativen Effekt zeigte man nur bei einer Ernährung, die reich an Kohlehydrate & Fett zugleich war, nicht jedoch bei einer rein fettreichen und kohlehydratarmen Ernährungsweise.

Im Beitrag „Ist Zucker gut für das Gehirn? 8 Gründe, warum uns Zucker dumm macht!“ haben wir bereits beschrieben wie Zucker wahrlich unser Gehirn zum Schrumpfen bringen kann.

Im Allgemeinen ist natürlich auch ausreichend Bewegung, so wie die Vermeidung von Umweltgifte wichtig um eine gesunde Funktion unseres Gehirns gewährleisten zu können.

Dieser Beitrag ist Bestandteil von der Kategorie Gehirn-Lexikon. Hat Ihnen der Beitrag zum Hypothalamus gefallen oder weitergeholfen? Wir freuen uns über jedes Kommentar!

Quellen anzeigen
  1. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0960982214012998
  2. Seite „Hypothalamus“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 16. Juni 2019, 16:20 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Hypothalamus&oldid=189592627(Abgerufen: 12. September 2019, 10:08 UTC)
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25589270
  4. Wikipedia contributors, „Releasing and inhibiting hormones,“ Wikipedia, The Free Encyclopedia,https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Releasing_and_inhibiting_hormones&oldid=914537218(accessed September 12, 2019).
  5. Brown, R. (1994). An Introduction to Neuroendocrinology. Cambridge: Cambridge University Press. doi:10.1017/CBO9780511623264
  6. Topographische Anatomie: Neuroanatomie: Zwischenhirn. (19. Januar 2017). Wikibooks, Die freie Bibliothek. Abgerufen am 14. September 2019, 15:23 von https://de.wikibooks.org/w/index.php?title=Topographische_Anatomie:_Neuroanatomie:_Zwischenhirn&oldid=810329.
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3654779/ 
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1256598/
  9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1256598/ 
  10. https://link.springer.com/chapter/10.1007/3-540-26504-X_56 
  11. Johnson, Jon. „What does the hypothalamus do?.“ Medical News Today. MediLexicon, Intl., 22 Aug. 2018. Web.
    15 Sep. 2019. <https://www.medicalnewstoday.com/articles/312628.php>
  12. https://ghr.nlm.nih.gov/condition/prader-willi-syndrome 
  13. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1529183909006113 
  14. https://content.sciendo.com/view/journals/rjdnmd/19/2/article-p207.xml 
  15. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15779664 
  16. University of Colorado Anschutz Medical Campus. „Brains of those with anorexia, bulimia can override urge to eat.“ ScienceDaily. www.sciencedaily.com/releases/2016/11/161108120412.htm (accessed September 16, 2019)
  17. https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJM197208172870704 
  18. https://www.sciencedirect.com/topics/veterinary-science-and-veterinary-medicine/hypothalamic-disease 
  19. Rose, S.R. & Auble, B.A. Pituitary (2012) 15: 267. https://doi.org/10.1007/s11102-011-0360-x
  20.  https://www.researchgate.net/publication/264463408_Chronic_Sleep_Deprivation-Induced_Proteome_Changes_in_Astrocytes_of_the_Rat_Hypothalamus 
  21. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5518723/ 
  22. https://www.nature.com/articles/ejhg2008206 
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