Hippocampus-Was ist das?

hippocampus

Bereits im Beitrag zum Thema Cholin haben wir von den Hippocampus gesprochen. Was ist das aber eigentlich und was sind seine Aufgaben? In dieser neuen Kategorie Gehirn-Lexikon finden Sie’s heraus!

Hippocampus-Was ist das?

Unser Körper besitzt zahlreiche lebensnotwendige Organe-jedes mit seinen eigenen Aufgabe. Eines davon – unser Gehirn – steuert u.a. unsere Gedanken, Tätigkeiten und Gefühle genauso wie unsere Erinnerungen. Das Gehirn besteht aus zahlreichen wichtigen Bereichen-jeder Bereich mit seiner eigenen Aufgabe.

hippocampus

Der Hippocampus ähnelt einem Seepferdchen

Der Hippocampus ist eines der wichtigsten Teile unseres Gehirns und dem Gehirn anderer Wirbeltiere. Er ist eine kleine kurvenförmige Struktur und Bestandteil vom limbischen System.

Der Name Hippocampus stammt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Seepferdchen.

  • Hippo=Pferd
  • Campus=Seemonster

Der Name ist auch nicht weiter verwunderlich, denn die Form des Hippocampus ähnelt einerseits einem Hufeisen und andererseits auch einem Seepferdchen. Der Hippocampus wölbt sich um das innere Gehirnareal.

Aufgaben des Hippocampus

Der Hippocampus ist an zahlreichen Aufgaben beteiligt. Die wichtigsten sind wohl:

  • Gedächtnis
  • Lernen
  • Emotionen
  • räumliche Orientierung

Er verbindet Kurz-und Langzeitgedächtnis indem er verschiedenste Informationen aus unterschiedlichen Bereichen verarbeitet und an andere Gehirnregionen weiterleitet.

Damit ermöglicht er uns an Personen, Standorte sowie Objekte erinnern zu können. Dinge die gerade in deinem Kopf wandern (Kurzzeitgedächtnis) werden im Hippocampus in Dinge umgewandelt, an die du dich auch noch später erinnern wirst (Langzeitgedächtnis).

Ohne den Hippocampus könnten wir beispielsweise nicht wissen, wo sich unsere Arbeit befindet oder welche Personen wir vor einer Stunde getroffen haben.

Man könnte den Gehirnbereich wie folgt definieren:

Definition: Der Hippocampus ist ein Teil des limbischen Systems mit der Form eines Seepferdchen. Beteiligt ist er primär an Aufgaben wie räumliche Wahrnehmung, Lernen, Gedächtnisbildung sowie unseren Emotionen.
Zeichnung Gehirn Hippocampus

Hippocampus

Hippocampus und das limbische System

Der Hippocampus ist so wie auch der Hypothalamus, das Mittelhirn, die Amygdala (Mandelkern) und der Thalamus ein wichtiger Bestandteil des limbischen Systems. Das limbische System wiederum befindet sich direkt unter dem Großhirn.

Im limbischen System wird unser emotionales Verhalten gesteuert und Erinnerungen gespeichert. Außerdem ist das limbische System das Zentrum von unserem Gefühlsleben und soll auch an der Kampf-oder-Flucht-Reaktion beteiligt sein. (näheres dazu siehe im Beitrag zur Depersonalisation)

Wenn im limbischen System Störungen auftreten, so kann sich das Verhalten einer Person verändern. Dies ist bei zahlreichen psychischen Erkrankungen der Fall.

Störungen im Hippocampus

Wie weiter unten am Fallbeispiel von Henry Molaison beschrieben, kann ein stark beschädigt oder entfernter Hippocampus zu einer anterograden Amnesie führen.

Bei dieser Form der Gedächtnisstörungen ist man nicht mehr dazu fähig neue Erinnerungen aufzubauen bzw. zu speichern. Ältere Erinnerungen scheinen allerdings von dieser Störung  weniger beeinflusst zu werden.

Bei der Alzheimer-Krankheit sowie auch bei anderen Demenz-Formen ist der Hippocampus gemeinsam mit der Großhirnrinde übrigens ebenfalls eines der ersten betroffenen Gehirnregionen.

Wenn der Hippocampus schrumpft

Ein zu klein geratener Hippocampus wird in Studien mit Depression, postraumatischer Belastunsstörung sowie dem Cushing-Syndrom assoziiert. So war das seepferdähnliche Gehirnareal bei Personen mit Depression in einer Studie um fast 20 % kleiner. Hier stellt sich die Frage: Ursache oder Folge? [1,2]

Des Weiteren wird ein reduziertes Hippocampus-Volumen immer wieder bei Schizophrenie-Patienten gefunden, auch wenn sich die Schizophrenie zunächst eher auf den präfrontalen Kortex konzentriert. Das verminderte Volumen im Hippocampusbereich ist bei Schizophrenie nicht so stark wie es bei der Alzheimer Erkrankung ausfällt. Dennoch liefern Sie Hinweise für die Beteiligung des Gehirnareals an der Schizophrenie. [3]

In Untersuchungen fand man außerdem, dass zwischen 50 und 75 Prozent der Epilepsie-Patienten einen geschädigten Hippocampus haben. Allerdings ist noch nicht ganz klar ob dies eine Folge der Epilepsie oder eine Ursache ist. [3]

Zusammengefasst:
Der Hippocampus steht Studien zufolge wahrscheinlich mit verschiedensten Erkrankungen in Zusammenhang. So etwa mit Depression, posttraumatischer Belastungsstörung, Alzheimer-Krankheit, Chushing-Syndrom, Schizophrenie und Epilepsie.

Die Geschichte von Henry Molaison

Haben Sie schon mal von Henry Gustav Molaison gehört? Der Patient, der als Kind aufgrund einer Kopfverletzung regelmäßig unter epileptischen Anfällen litt, wurde zu einer der wichtigsten Fallstudien in der Neurologie. Mit dem Alter von 27 Jahren war Henry Molaison nicht mehr dazu fähig, seinen Job auszuführen, da er unter solch lähmenden und häufigen epileptischen Anfällen litt. Daher wand er sich an einen Chirurgen, welcher ihm empfahl ein Teil des Gehirns ganz einfach zu entfernen. Henry Molaison stimmte zu. Entfernt wurde einerseits ein Teil des Hippocampus und andererseits ein Teil der Amydala.

Gehirn operation

Gehirn Operation

Als die Chirurgen das Stück seines Gehirns entfernten, erlebte Henry Molaison tatsächlich eine Besserung. Die epileptischen Anfälle nahmen ab. Dennoch: Irgendwas lief schief…

Anterograde Amnesie

Was er bei der Operation noch nicht wusste ist, dass er die Neurowissenschaft damit für immer verändern wird.

Die Ärzte bemerkten, dass der Patient eine schwere anterograde Amnesie entwickelte-also die Unfähigkeit, neue Erinnerungen zu entwickeln und ins Langzeitgedächtnis zu speichern.

Somit erkannten die Wissenschaftler, die dem Patienten laufend untersuchten, die wichtige Rolle des Hippocampusareal zur Speicherung von Erinnerungen im Langzeitgedächtnis.

Wenn Henry Molaison beispielsweise eine Person getroffen hat, so wusste er wenige Minuten später nichts mehr darüber. Genauso wusste er nicht, was er zum Beispiel zum Frühstück gegessen hatte oder wie sein Doktor heißt. Alles was er machte, erlebte er „zum ersten Mal“.

Doch sein Verstand, seine Persönlichkeit und seine Wahrnehmung waren vollkommen intakt. Henry Molaison konnte sogar trotz fehlenden Hippocampus kontinuierlich neue motorische Fähigkeiten erwerben.


Gehirn Lexikon

Fragen, Tipps oder Anregungen? Lassen Sie es uns doch gerne in den Kommentaren wissen! Ansonsten kommen Sie hier zum Gehirn-Lexikon.

Quellen

Erwähnte Studien:

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC60045/
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/10618023
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3548359//
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