Amygdala-ein sonderbarer Teil des limbischen Systems!

amygdala mandelkern

Im Beitrag zum Hippocampus sowie auch im Beitrag „Ist Zucker für das Gehirn“ haben wir bereits über die Amygdala gesprochen. Aber was ist das überhaupt und was sind die Aufgaben der Amydala?

Kurzinfos: Amygdala

Für die die’s eilig haben: Einige Kurzinfos zur Amygdala!

Der Mandelkern
Weitere Namen:Mandelkern, Corpus amygdaloideum
Ort:am Ende des Hippocampus, Teil des limbischen System, auf beiden Seiten des Gehirn, Temporallappen
Aussehen, Größe:mandelförmig, 1700mm3
Aufgaben / Funktionen:Verarbeitung von Emotionen (wie Schmerzen, Angst, Wut), emotionales Gedächtnis, sexuelles Verhalten, Motivation, Fight or Flight Response
fehlender Mandelkern:Verhaltensveränderung, Verringerung von Angst und Aggression, evtl. beeinträchtigte soziale Fähigkeiten

Amygdala-Was ist das?

Unser Gehirn

Die Amygdala (= der Mandelkern) ist ein Teil des Limbischen Systems und befindet sich am Ende des Hippocampus im Nervengewebe des Temporallappen.

Das limbische System wiederum ist ein Bestandteil unseres Gehirns, dem Aufgaben wie Gedächtnis, Emotionen und Überlebensinstinkte wie Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung zugeordnet werden. Das limbische System ist außerdem eines der ältesten Hinregionen des Menschen.

Der Mensch hat sowohl auf der linken als auch auf der rechten Seite eine Amygdala. Verbunden ist diese wiederum insbesondere mit dem Hypothalamus, Gyrus cinguli und dem Hippocampus!

Der Name „Amygdala“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt so viel wie „Mandelkern“. Kein Wunder! Schließlich ähnelt die Hirnregion der Form nach sehr einer Mandel!

Aufgaben der Amygdala

Die Amydgalaregion im Gehirn ist an zahlreichen Aufgaben im Bereich Verhalten und Psyche beteiligt. Im Mandelkern werden starke Emotionen wie etwa emotionale Schmerzen, Angst, Trauer, Aggression und Wut verarbeitet. Auch bei der Kontrolle von Aggression spielt der Mandelkern eine wichtige Rolle.

Funktionsweise:

Die Amygdala verknüpft sensorische Reize mit psychologischen und physiologischen Prozessen und schafft damit die Grundlage für emotionale Reaktionen!  [11]

Gehirn

Unser Gehirn mit Hippocampus, Amygdala & mehr

Amygdala und die Angst

Besonders bekannt ist der Mandelkern im Zusammenhang mit Angst.

Jeder Mensch hat irgendwelche Ängste. Bei dem einen ist es vielleicht die Angst vor dem Tod, beim Anderen die Angst vor Hunden und beim nächsten die Angst vor Verlust! Wir spüren Angst um uns vor Gefahren zu schützen.

Die Amygdalakerne spielen eine zentrale Rolle in verschiedensten Bereichen der Angstverarbeitung wie zum Beispiel bei dem emotionalen Gedächtnis, der Angsterkennung und der Herleitung von ängstlichem Verhalten  sowie der Angstkonditionierung, also das Erlernen von Situationen in denen wir uns fürchten müssen.

Der Mandelkern vergleicht laufend die akutelle mit vergangenen gefährlichen Situationen. Wenn der Mandelkern etwas gefährliches entdekct, so beginnt der Körper Noradrenalin oder ADrenalin auszuschütten. Die Folge sind Emotionen wie Angst, Wut, Trauer und verschiedenste physische Symptome

Gemeinsam mit anderen Hirnregionen wie etwa dem Hippocampus, Thalamus, insularen Kortex  spielt die Amygdala außerdem eine bedeutende Rolle bei übermäßiger Angst [1].

Die Amygdala und das emotionale Gedächtnis bei Angst

Die Amygdala ist an Angst beteiligt

Außerdem spielt der Mandelkern bei der Speicherung von Emotionen in Verbindung zu Erinnerungen eine zentrale Rolle!

Sollten Sie beispielsweise einmal von einem Auto angefahren worden sein, so wird dieses Ereignis mithilfe der Amygdala verarbeitet. Aufgrund der Amygdale werden Sie, wenn Sie das nächste Mal über die Straße gehen, aufmerksamer sein und mehr Angst davor haben von einem Auto angefahren zu werden.

Die Amygdala ermöglicht uns also kurz gesagt Erinnerungen an gefährliche Ereignisse zu speichern und uns damit auf ähnliche Ereignisse in der Zukunft vorbereiten zu können!

Amygdala und Fight und Flight Response

Die Fight or Flight Reaktion habe ich bereits im Beitrag zur Depersonalisation und Derealisation näher beschrieben. Es ist eine grundlegende physiologische Reaktion, die uns bereits seit der Steinzeit begleitet und den Körper in Ernstfällen automatisch entscheiden lässt: Kämpfen oder Fliehen?

Ein etwas abstruse Vorstellung: Was machen wir, wenn uns plötzlich ein hungriger Säbelzahntiger begegnet? Nun aktiviert sich der Sympathikus. Adrenalin und andere Neurotransmitter werden ausgeschüttet. Soll der Körper kämpfen oder fliehen?

In einer solchen Situation werden die Informationen zuerst vom Auge oder den Ohren an die Amygdala vermittelt, welche dieses Signal bewertet. Wenn Gefahr erkannt wird, so werden die Informationen von der Amygdala an den Hypothalamus weiterleitet. [7] Der Hypothalamus aktiviert dann das sympathische Nervensystem, indem er sich mit den Nebennieren verbindet, welche wiederum Adrenalin ausschütten!

Amygdala und sexuelle Aktivität

Die Amygdala spielt auch eine wichtige Rolle beim Sexualtrieb bzw. Libido. Männer mit einem niedrigen Testosteronspiegel und niedrigeren Sexualtrieb neigen beispielsweise dazu kleinere Amygdalen zu haben.

In Studien fand man außerdem, dass das männliche Sexualhormon Testosteron sowohl kognitive als auch emotionale Funktionen beeinflusst! Höhere Spiegel des Sexualhormon Testosteron hängen demnach mit einer Gehirnaktivierung des Mandelkern zusammen. Die Amygdala könnte demnach eine Rolle bei der Gedächtnisfunktion von Männer spielen.  [3]

Die Amygdala macht uns zu Psychopathen

Haben Sie schon mal von einer antisozialen Personönlichkeitsstörung gehört? Diese Art der Störung veranlasst Menschen dazu die Rechte anderer zu ignorieren und zu verletzen. Das zeigt sich beispielsweise in aggressivem Verhalten, starker Reizbarkeit und Impulsivität, Skruppellosigkeit aber auch Lügen und Betrügen um davon Profit zu ziehen. Betroffene sind außerdem häufig sehr selbstbewusst, rechthaberisch und arrogant!

Ohne Amygdala haben wir kaum noch Angst!

Von einer ganz besonders starken Form der der antisozialen Persönlichkeitsstörung sind Psychopathen betroffen! Und genau bei Psychopathen untersuchten Wissenschaftler in einer Studie, welche im Fachmagazin „The Canadian Journal of Psychatry“ veröffentlicht wurde die Veränderungen, die im Gehirn, die zu dem klassischen psychopathischen Verhalten führen.

Veränderungen in Teilen des Präfrontalen Cortex gemeinsam mit der Amygdala wurden dabei mit psychopathischen und antisozialen Eigenschaften in Verbindung gebracht. [9]

Die Wissenschaftler fanden auch, dass Defizite im Amygdala-Hippokampus-Komplex mit „Symptomen“ die man auch bei psychopathischen Menschen findet wie oberflächlicher Charme, pathologisches Lügen sowie soziale Dysfunktionen im Zusammenhang stehen. [9]

Die emotionalen Defiziten von psychopathischen Menschen lassen sich wiederum durch Strukturveränderungen von sowohl Mandelkern als auch Hippocampus und Corpus Callosum erklären. [9]

Auch eine ganz allgemeine geringer Amygdalaktivität konnte bei Menschen mit psychopathischen Eigenschaften gefunden werden. [9]

Aber die Ergebnisse zeigen auch, dass es nicht zu einem psychopathischen Verhalten kommt, wenn lediglich eine Gehirnregion beeinträchtigt wird. Stattdesen kann es nur bei Beeinträchtigungen mehrer Gehirnregionen zu Psychopathie kommen. [9]

Amygdala und weitere Störungen

Der Mandelkern ist auch an zahlreichen weiteren Störungen beteiligt.

Die Rolle der Amygdala bei Phobien

Die Forschung zeigt auch, dass der Mandelkern eine nicht unwesentliche Rolle bei Phobien spielen kann. So fand man zum Beispiel in Menschen mit einer Spinnenphobie eine stärkere Reaktion beider Amygdalen bei der Wahrnehmung vonn Spinnen und eine allgemein erhöhte Aktivierung der rechten Amygdala verlichen mit Kontrollpersonen. [10]

Postraumatische Belastungsstörung und der Mandelkern

Eine Postraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine verspätete Reaktion auf ein sehr belastendes Ereignis bzw. ein Trauma. Häufig tritt ein Postraumatische Belastungsstörung bei Unfällen, Krieg oder bei starker Gewalt auf! Betroffene bekommen Erinnerungen an das Trauma und leiden unter Nervosität, Angst und Reizbarkeit.

Auch wenn man noch nicht viel über die Ursachen von PTBs und den Zusammenhang mit dem Mandelkern weiß, so weiß man dennoch bereits:

  • die Aktivität des Mandelkern ist bei Betroffenen der PTBS erhöht
  • die rechte Amygdala scheint eine größere Rolle bei der Entwicklung von PTBS zu spielen [8]
  • Menschen mit PTBS können Stress nur schlecht verarbeiten. Hier spielen Regionen wie Hippocampus und Mandelkern eine große Rolle

Amygdala und Depression

Auch ein Zusammenhang zwischen Stimmungsproblemmen wie Depression und dem Mandelkern wird von Wissenschaftler vermutet.  Die genauen Mechanismen dazu wurden zwar noch nicht geklärt. Man weiß aber: [11]

  • Menschen mit Depression hatten in Studien eine anhaltend erhöhte Mandelkern-Aktivität
  • Die Stimulation des Amygdala Bereich führt zu Anspannung, Wut, Angst und evtl. zu trauriger, bedrückter Stimmung
  • Menschen mit Postraumatischer Belastungsstörung leiden häufig unter Depression  (näheres siehe Postraumatische Belastungsstörung und der Mandelkern)

Amygdala und Aggression

Der Mandelkern und Aggression!

Die Amygdala ist ein Hirnbereich, der an Aggression beteiligt ist. Wird der Hirnbereich stimuliert, so kommt es zu verstärktem aggressiven Verhalten, wird der Bereich zerstört kommt es zu einem Verlust von Aggression, Wut, Angst und gleichzeitig einer gesteigerten sexuellen Aktivität!

In Studien zur Verbindung der Amygdala und Aggression fand man außerdem, dass höhere Aggressionswerte mit einer Reduzierung des Amygdala-Volumen von 16-18% einhergehen. Die Studienautoren meinten, dass das Amygdala-Volumen als ein Erstmarker für die Aggressivität bei gesunden Menschen sein könnte.

Was passiert bei einer zersörten / fehlenden Amygdala?

In Studien untersuchte man die Auswirkungen, wenn bei Tieren beide Amygdalen entfernt wurden.

Das Entfernen der Amygdala führt nachweislich zu starken Verhaltensveränderungen. In Studien an Affen wurde gezeigt, dass eine Entfernung der Amygdalen Angst und Aggression stark verringert. Beim Menschen vermutet man einen ähnlichen Effekt.

In Studien an Ratten fand man zeitgleich, dass eine fehlende Amygdala die Ratten dazu bringt vor überhaupt nichts mehr Angst zu haben. Ihnen wurde durch Entfernung der Amygdala das emotionale Gedächtnis und damit die Erinnerung an Gefahren (z.B. Katzen) genommen.

Die Amygdala hat aber auch einen großen Effekt auf die soziale Fähigkeiten. Ein Fehlen des Gehirnareals könnte mit Autismus und mangelnder Empathie in Verbindung gebracht werden.

So halten Sie Ihre Amygdala gesund!

Das Leben in einer Stadt mit Luftverschmutzung und ständigem Lärm hat Folgen für unsere Psyche und Gehirn-Gesundheit. Menschen aus der Stadt sind anfälliger für Erkrankungen wie Angststörung, Depression und Schizophrenie, welches mit einer veränderten Aktivität des Mandelkerns zusammenhängen kann.

So fand man in einer Studie des Max-Planck-Institut, dass das Leben in einer Stadt mit einer erhöhten Amygdala-Aktivität im Bereich Stress einhergeht. [4]

Wälder stärken unsere Amygdala [4]

wald

Wälder stärken die Amygdala

Auch wenn laut manchen Ansichten, das Stadtleben positive Effekte auf unsere Hirngesundheit haben könnten, fand man in Studien bisher eher das Gegenteil: Das Stadtleben erhöht das Risiko psychiatrischer Erkrankungen.

Das sah man zum Beispiel bei Stimmunsgproblemen, Schizophrenie oder Angsstörungen, welche mit einer bis zu 56% höheren Wahrscheinlichkeit in der Stadt auftreten.

In einer Studie des Max-Planck-Institut fanden die Forscher tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den Wohnort und der Hirngesundheit. Die Stadtbewohner, die in der Nähe eines Waldes lebten (weniger als 1 km Entfernung) zeigten eine gesündere Mandelkern-Struktur. Ähnliche Effekte konnten aber nicht bei Grünbereichen in der Stadt wie Parks gefunden werden.

Unsere Ergebnisse zeigen einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen der Bewaldung und der Integrität der Amygdala. (frei übersetzt)

Auch in einer weiteren Studie aus Großbritannien sah man, dass der Umzug in ein neues naturnaher gelegenes Wohngebiet positive Effekte auf die psychische Gesundheit hat.

Man weiß aber noch nicht genau, ob das Leben in der Stadt den Mandelkern positiv beeinflusst oder ob der Mensch mit einem gesünderen Mandelkern eher Wohngebiete in Waldnähe wählt. Dennoch erscheint die erste Ansicht für die Wissenschaftler als wahrscheinlicher.

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Dieser Beitrag ist Bestandteil von der Kategorie Gehirn-Lexikon!

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Referenzen
  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3055419/
  2. https://www.intechopen.com/books/the-amygdala-a-discrete-multitasking-manager/the-role-of-the-amygdala-in-anxiety-disorders
  3. Ackermann, Sandra & Spalek, Klara & Rasch, Björn & Gschwind, Leo & Coynel, David & Fastenrath, Matthias & Papassotiropoulos, Andreas & De Quervain, Dominique. (2012). Testosterone levels in healthy men are related to amygdala reactivity and memory performance. Psychoneuroendocrinology. 37. 1417-24. 10.1016/j.psyneuen.2012.01.008.
  4. https://www.nature.com/articles/s41598-017-12046-7
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3003044/
  6. „Motivation and emotion/Book/2014/Amygdala and emotion.“ Wikiversity. 14 Apr 2018, 03:09 UTC. 14 Apr 2018, 03:09 <https://en.wikiversity.org/w/index.php?title=Motivation_and_emotion/Book/2014/Amygdala_and_emotion&oldid=1856300>
  7. https://www.health.harvard.edu/staying-healthy/understanding-the-stress-response
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3587151/
  9. Gao, Y., Glenn, A. L., Schug, R. A., Yang, Y., & Raine, A. (2009). The Neurobiology of Psychopathy: A Neurodevelopmental Perspective. The Canadian Journal of Psychiatry, 54(12), 813–823.doi:10.1177/070674370905401204
  10. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0006322311003805
  11. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3400485/
  12. https://www.researchgate.net/publication/221758655_Small_amygdala_-_high_aggression_The_role_of_the_amygdala_in_modulating_aggression_in_healthy_subjects
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