Depression durch Darmprobleme und Entzündungen?

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Depression zählt zu den häufigsten Erkrankungen in unserer Gesellschaft. So geht man davon aus, dass jede vierte Frau einmal in ihrem Leben unter einer Depression leidet. Männer leiden tendenziell etwas seltener unter dieser Erkrankung. Was sind aber eigentlich die Ursachen der Depression? Liegt es nur an der Psyche? Oder gibt es auch biologische Ursachen? Sind bei einer Depression Darm Probleme und Entzündungen die Ursache?

Was ist Depression?

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Depression kann psychische und physische Ursachen haben

Depression ist eine psychische Störung. Menschen, die darunter leiden fühlen sich nicht nur traurig. Häufig fühlen sich Menschen mit Depression auch kraftlos und zeigen große Probleme beim Entscheidungen treffen, beim Denken und manchmal sogar beim Sprechen. Depressive Menschen erscheinen außerdem desinteressiert an Ihrer Umwelt. Probleme, die früher lediglich „Herausforderungen“ waren, können nur noch mit viel Mühe bewältigt werden. Ängste begleiten Menschen mit Depression oft den ganzen Tag.

Diese Störung ist in unserer heutigen Gesellschaft recht weit verbreitet. Tendenz steigend. Während es auf der Welt insgesamt über 300 Millionen Menschen mit Depression gibt (2015), so scheinen besonders Frauen mittleren Alters betroffen zu sein. In Amerika soll bereits jede 4. Frau in dieser Altersgruppe Medikamente gegen Depression einnehmen. [6]

Depression Symptome

Die Symptome der Depression sind von Person zu Person unterschiedlich. Häufige Symptome sind allerdings:

  • Traurigkeit
  • gedrückte Stimmung
  • Desinteresse
  • Ängste
  • Schlafstörungen
  • verstärkte Schmerzen
  • Konzentrationsprobleme
  • Appetitlosigkeit
  • Entscheidungen treffen fällt schwer
  • schwaches Selbstvertrauen
  • Rückzug
  • mangelnde Motivation

Hinweis: Haben Sie selber den Verdacht an dieser Störung zu leiden, sollten Sie sich sofort an einen Arzt, Psychotherapeut oder an einen anderen Experten wenden. Die Störung sollte unbedingt ernstgenommen werden. Umso früher Sie einen Arzt besuchen, desto besser stehen die Heilungschancen.

Depression-eine Zivilisationserkrankung?

Dank unserer modernen Medizin, Nahrungsversorgung und Hygienemaßnahmen kommen zahlreiche Krankheiten, vor allem infektiöse Erkrankungen, deutlich seltener vor. Gleichzeitig nehmen allerdings andere Erkrankungen, welche früher wenig bekannt bis unbekannt waren, deutlich zu. Diese bezeichnet man als Zivilisationserkrankungen.  Der moderne Lebensstil mit Fabriknahrung und viel Stress dürfte hierbei eine große Rolle spielen.

Depression zählt zu den Zivilisationserkrankungen. Nicht nur war die Depression in der menschlichen Vergangenheit wenig bekannt.  Kaum Menschen aus indigenen Völker sind depressiv oder leiden unter anderen psychischen Störungen. Dies trifft zumindest zu, wenn sie noch ihren traditionellen Lebensstil folgen.

Depression-alles nur Psyche?

Die Schulmedizin betrachtet den Körper als getrennte Systeme. Z.B. wird unsere Psyche meist unabhängig vom biologischen Körper gesehen. Daher gehen einige Menschen mit Depression davon aus, dass ihre Erkrankung psychisch bedingt ist.

Und das ist einerseits auch oft richtig. Depression kann durch psychische Faktoren wie traumatische Erlebnisse, Mobbing, Überlastung, Burnout, Einsamkeit oder Verlusterlebnisse (inkl. Tod) entstehen. Dennoch ist dies nicht bei jedem Menschen die Ursache. Stattdessen geht man davon aus, dass nur 33% der Depression-Fälle durch eine psychische Belastung entstehen.

Viele Menschen denken, dass eine Behandlung von körperlichen Problemen (z.B. Darm) nichts in Bezug auf die Psyche bewirken kann. Das ist allerdings nicht ganz richtig. Körper und Psyche hängen eng miteinander zusammen. Eine Depression kann daher sowohl psychische als auch körperliche Ursachen haben. Als körperliche Ursachen sind hier vor allem folgende zu nennen:

  • Darmprobleme und Entzündungen: Unser Darm (inkl. Darmflora) beeinflusst die Entstehung von Depression
  • Neurotransmitter/Botenstoffe: Ein Mangel an Neurotransmitter  wie Serotonin, Noradrenalin im Gehirn wird mit Depression assoziiert.
  • schlechte Ernährung / Nährstoffmangel: Vitamin D (Winterdepression), B6, ….
  • genetische Faktoren: Bei Erkrankung von Familienangehörigen ist die Wahrscheinlichkeit auch bei Ihnen höher.
  • andere Erkrankungen begünstigen Depression: so etwa Schilddrüsenprobleme und Parkinson
  • Drogenabhängigkeit, Alkoholmissbrauch, Entzug von Medikamenten
  • Essstörungen
  • Lebensmittelallergien
  • Schwermetallvergiftung
  • Schlafmangel
  • Stress

Depression entsteht im Darm

Was der Darm mit Depression zu tun hat? Wenn man verschiedensten Studien vertraut: einiges. Bereits Hippokrates soll schließlich gesagt haben:

„Alle Krankheiten beginnen im Darm!“

Auch wenn man (noch) nicht für alle Krankheiten eine potenzielle Ursache in unserem Bauch gefunden hat, so weiß man dennoch von unglaublichen Verbindungen von Darm zu anderen Organen und unserer Psyche.

Ein Beispiel: Für ein gesundes Gehirn brauchen wir ein gutes Gleichgewicht von Nährstoffen. Unser Darm ist die wichtigste Stelle in unserem Körper zur Nährstoffaufnahme. So entscheidet die Gesundheit des Darms maßgeblich darüber, ob bestimmte Nährstoffe aufgenommen werden können. Aber nicht nur das. Zahlreiche Nährstoffe und die meisten menschlichen Neurotransmitter (Botenstoffe) werden auch in unserem Darm produziert. [14]

Gleichzeitig entscheidet der Darm auch noch darüber ob Giftstoffe aufgenommen werden oder nicht. Im Darm steckt außerdem auch noch der größte Teil unseres Immunsystems. Unser Darm beschützt uns davor, dass schädliche Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten sich nicht verbreiten und unserem Körper (inkl. Psyche) damit schaden können.

Die Darm-Hirn-Achse

„Ich hab da so ein Büchgefühl!“ „Hat dir was auf den Magen geschlagen?“ Das sind Ausdrücke die es schon sehr lange gibt. Wusste man damals schon von der Rolle, die unser Bauch auf unser Gehirn hat?

Heutzutage weiß man jedenfalls von der zentralen Rolle, die unsere Darmflora auf unser Gehirn hat. So beeinflusst der Darm (inkl. Darmflora) unsere Gefühle sowie unser Denken. Damit kann unser Verdauungstrakt auch eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Depression spielen.  Wie er unser Gehirn beeinflusst? Über die sogenannte Darm-Hirn-Achse (Vagus Nerv, Rückenmark, ENS etc.).  Hier kann der Darm und das Gehirn über Hormone, Neurotransmitter (z.B. Dopamin) und Nähstoffe (wie Tryptophan) mit unserem Gehirn kommunizieren.

Unser Darm kommuniziert kontinuierlich mit unserem Gehirn und kann an der Entwicklung einer Depression beteiligt sein.

Auch über Stoffe, die der Darm im Blut abgibt, kann das Gehirn maßgeblich beeinflusst werden. Hier könnte bei Depression ein Zusammenhang mit „Leaky Gut“ und „Leaky Brain“ bestehen. Auch Zytokine wie Interleukin-6 spiele eine bedeutende Rolle bei der Verbindung von Darm zu Gehirn (näheres unten).

Eine interessante Studie zu diesem Thema zeigt auch, dass Mäuse ohne Bakterien z.B. ein deutlich reduziertes Angst-Verhalten haben. [6] Folglich könnten Mäuse womöglich unvorsichtig sein und vielleicht kaum noch Angst vor Katzen haben, wie es auch bei einer Infektion mit Toxoplasma Gondi vorkommen kann. Andererseits könnten Mäuse mit den falschen Bakterien im Darm übermäßige Angst empfinden.

Wichtig zu Wissen: Nicht nur unser Darm kann das Gehirn beeinflussen sondern natürlich auch umgekehrt. Deshalb bekommt man zum Beispiel Bauchweh man im Stress ist oder Angst hat.

Depression-Darm und Serotonin

Ein Ungleichgewicht und Mangel mancher Neurotransmitter, speziell von  Serotonin in unserem Gehirn gilt als eine der Hauptursachen für Depression. Einige Menschen würden jetzt wohl denken: Dann nahm ich doch Serotonin in Form einer Tablette ein! Das würde allerdings nicht viel bringen. Serotonin kann unsere Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden, stattdessen wird der Botenstoff von unserem Gehirn selbst gebildet. Tryptophan, die Vorstufe des Neurotransmitter ist hingegen dazu fähig.

Tryptophan ist eine Aminosäure aus der unser Gehirn Serotonin produziert. Interessanterweise können manche Darmbakterien wie etwa Bifidobacterium infantis genau diese Aminosäure optimal regulieren und damit eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer Depression haben. (1)

Auch in einer Studie an Ratten, die das Darmbakterium Bifidobacterium infantis für 14 Tage lang erhielten,  konnte man neben einer Senkung zahlreicher Entzündungsmarker (IFN-Gamma, TNF-Alpha, IL-6) einen deutlichen Anstieg der Tryptophan-Konzentration im Blut feststellen. Die Senkung von Entzündungsmarkern und gleichzeitige Erhöhung von Tryptophan liefert erste Anhaltspunkte dafür, dass Probiotika gegen Depression wirken können. [3]

Darm Depression-Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen und Reizdarm

Wenn man aufgrund vom Zustand des Darm Depression bekommt, kann auch eine chronisch entzündliche Darmerkrankung dahinterstecken (IBD). Dazu gehören etwa Erkrankungen wie Colitis Ulcerosa und Morbus Chron. Das funktioniert allerdings auch umgekehrt! So fand man in anderen Studien, dass hinter Darmerkrankungen auch eine Depression stecken könnte. Die Verbindung verläuft hier bidirektional und verdeutlicht die Verbindung von Darm zu Gehirn.  [7; 8; 9]

Depression-eine Entzündung?

Eine Depression kann viele Ursachen haben.. Eine davon sind Entzündungen. Mittlerweile gibt es zahlreiche Hinweise aus vielen verschiedenen Studien, die hohe Entzündungsmarker mit depressiven Symptomen assoziieren. Dadurch könnte man Depression als eine chronisch Entzündung beschreiben.

So untersuchten Forscher Interleukin-6 und CRP-Spiegel Spiegel von über 4500 Menschen und die Verbindung zu späteren psychischen Störungen. Unter Beachtung anderer möglicher Faktoren (wie BMI, Geschlecht, Alter) kamen die Forscher schließlich zum Ergebnis, dass  Menschen mit hohen Entzündungs-Werten ein höheres Risiko für Depression und Psychosen im jungen Erwachsenenalter hatten. [11]

Des Weiteren gibt es auch zahlreiche Hinweise, dass weitere Entzündungmarker (LPS, proinflammatorische Zytokine) depressive Symptome hervorrufen können. So wurde in einer Studie Mäusen LPS (Lipopolysaccharides) verabreicht, wodurch die Mäuse nach kurzer Zeit depressiv wurden.  [12]

Gehirn

Entzündungen können eine Ursache für Depression sein

Ursachen für Entzündungen

Die Ursachen für Entzündungen sind zahlreich. Speziell eine unpassende Ernährung gilt als ein wichtiger Risikofaktor für Entzündungen und schließlich auch Depression. Weitere Faktoren sind:

  • schlechte Ernährung
  • Dysbakterie bzw. schlechtes Verhältnis guter zu schlechter Bakterien
  • Übergewicht (höhere Zytokin und IL6-Level)
  • chronischer Stress
  • Vitaminmangel
  • Schadstoffe
  • manche Medikamente
  • Unverträglichkeiten / Allergien

Darm Depression: Leaky Gut verursacht Entzündungen

Wenn die Darmschleimhaut übermäßig durchlässig ist, spricht man vom Leaky-Gut-Syndrom bzw. einer erhöhten intestinalen Permeabilität. Unser Körper ist dann von bakteriellen Toxinen, Schadstoffen aus Lebensmitteln und möglichen Allergenen konfrontiert. Die Folge können Entzündungen und folglich auch zahlreiche chronische Erkrankungen wie etwa Autoimmunerkrankungen und Depression sein. Verschiedenste Studien zeigen einen potenziellen Zusammenhang von Depression und Leaky Gut [13]. Hier spielt auch wieder LPS eine bedeutende Rolle.

Was ist aber die Ursache für Leaky Gut? Vermutet wird eine falsche Ernährung, Medikamente (Antibiotika, Schmerzmittel), Alkohol, Candida Pilzinfektion oder auch Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Auch ein schlechtes  Omega 3 zu Omega 6 Verhältnis wirkt entzündungsfördernd im Körper.

Entzündungen durch Ernährung

Wir wissen mittlerweile das Depression eine entzündliche Erkrankung sein kann und das eine schlechte Lebensmittelwahl die Entstehung von Entzündungen begünstigt. Welche Lebensmittel führen aber konkret zu Entzündungen?

  • Transfette
  • Zucker / raffinierte Kohlenhydrate
  • Omega 6
  • Glutamat
  • Alkohol
  • Gluten / Kasein (bei Empfindlichkeit)

Außerdem fand man in einer Studie unter anderem erhöhte Entzündungsmarker (Interleukin-6) durch ein hohe Aufnahme von verarbeitetem Fleisch, frittierten Lebensmittel und auch Hülsenfrüchte sowie Erbsen. [16] Hingegen scheint eine Mediterrane Ernährung bestehend aus traditionell zubereiteten Vollkorn-Getreideprodukten, einer Vielzahl an Gemüse sowie Omega-3 reichen Fisch, Olivenöl und etwas Milchprodukte sowie Geflügel Entzündungen verbessern und damit Depression vorbeugen zu können.

In einer weiteren Studie wurde der Verzehr von zuckerhaltigen Getränken im Zusammenhang mit CRP untersucht. So hatten Menschen mit einem hohen Gemüse- und Obstverzehr einen niedrigeren CRP Spiegel während Menschen, die viel zuckerhaltige Softdrinks tranken deutlich höhere Level für CRP hatten. [18]

Depression-Was ist mit Nährstoffen?

Forscher vermuten immer mehr, dass eine Depression mit einer mangelnden Nährstoffversorgung zusammenhängen könnte. Speziell ein Mangel an:

  • Vitamin D
  • Selen
  • Magnesium
  • Zink
  • Eisen
  • Fette
  • Aminosäuren

wird häufig mit der Störung in Verbindung gebracht. Wie bereits erwähnt ist für die Aufnahme dieser Nährstoffe speziell ein gutes Darmmilieu mit ausgeglichenen Bakterienverhältnissen entscheidend.

Fazit: Depression durch biologische Faktoren?

Depression ist nicht ausschließlich eine psychische Erkrankung. Nein! Auch zahlreiche biologische Faktoren wie ein gesunder Darm und Entzündungen können als Ursache dafür genannt werden. Bei beidem können die Ernährung, Übergewicht, chronischer Stress, schädliche Medikamente sowie Unverträglichkeiten eine bedeutende Rolle spielen.


Quellen anzeigen:

(1) Wie eine gesunde Darmflora unser Hirn fit hält, Dr. David Perlmutter, 1. Auflage, Goldmann S. 98, 108

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27647198
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30949092
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18456279
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23474283
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3839572/
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21054680
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29788469
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30337374
  9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5439133/
  10. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5439135/
  11. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25133871
  12. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21673960
  13. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/27884012
  14. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6197537/
  15. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26317148
  16. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26874911
  17. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12379575
  18. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30375290
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