Rheuma und das Gehirn | Wie rheumatoide Arthritis die Psyche beeinflusst

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Rheuma ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die dafür bekannt ist die Gelenke zu beeinträchtigen und sich u.a. durch Symptome wie etwa Schmerzen, Schwellungen und Steifheit der Gelenke zeigt. Aber wussten Sie, dass Rheuma auch das Gehirn beeinflusst? In diesem Beitrag erfahren Sie wie Rheuma und das Gehirn zusammenhängen!

Was ist Rheuma überhaupt?

Rheuma ist ein Sammelbegriff für über 400 verschiedene, schmerzhafte, entzündliche Erkrankungen im Bewegungs- und Stützapparat! Betroffen sind speziell ältere Menschen, manchmal erkranken aber bereits Kinder und Jugendliche an Rheuma!

älterer mann mit rheuma

Rheuma kann das Leben eines Betroffenen enorm beeinträchtigen

In Deutschland sollen in etwa 25 % der Bevölkerung unter der Erkrankung leiden, welche unter anderem durch den Verlust von Knorpel und entzündetes Gewebe um die Gelenke verursacht wird.

Bei der Rheumatoiden Athritis greift der Körper aus kaum bekannten Gründen das gesunde Körpergewebe an und es kommt zu den Rheuma Symptome.

Klassische Symptome der Rheumatoiden Athritis sind: Gelenksschmerzen, Morgensteifigkeit, Bewegungsprobleme, Erschöpfung und Müdigkeit sowie Schwellungen der Fingergelenke, Hitzegefühl in den Gelenken und auch eine allgemeine Leistungsschwäche. Die Symptome von Rheuma können sich aber im Allgemeinen je nach Rheumaart und Person sehr unterscheiden.

Die genaue Ursache für Rheuma ist nicht geklärt. Als Risikofaktoren für die Entstehung von Rheuma vermutet man aber schlechte Ernährung mit vielen raffinierten Kohlenhydraten und Zucker sowie auch Übergewicht, Darmprobleme (Leaky-Gut-Syndrom) und genetische Faktoren sowie die Konfrontation mit Umweltgiften.

Aber welche Auswirkungen hat Rheuma auf das Gehirn?

Rheuma und das Gehirn

Rheumatoide Arthritis ist eine chronisch entzündliche Erkrankung, die sich, ähnlich wie Diabetes, Krebs und Demenz, auch durch weitere Symptome die das Gehirn betreffen zeigt. So z. B. Müdigkeit und neurokognitive Defizite. [1]

Gehirn

Entzündungen können Rheuma und Gehirn negativ beeinflussen

In einer Studie wollte man die Auswirkung von langfristigen Entzündungen z.B. von Rheuma auf das Gehirn analysieren. Dazu untersuchte man die Gehirne von 54 Studienteilnehmer mithilfe von MRT einmal zu Studienbeginn und einmal 6 Monate später.

Man erkannte, dass höhere Entzündungswerte, wie sie bei Rheuma vorkommen, mit Veränderungen im Gehirn assoziiert werden, die zu Müdigkeit, Schmerzen und kognitiven Fehlfunktionen führen können. [1]

In einer weiteren Studie mit über 115 Rheuma-Patienen waren nahezu ein Drittel der Teilnehmer kognitiv beeinträchtigt. [2] Eine intakte kognitive Funktion ist aber entscheidend für das Wohlbefindens bei Menschen mit chronischen Erkrankungen.

Rheuma und das Kurzzeitgedächtnis

Zahlreiche Faktoren, die mit Rheuma zusammenhängen werden auch mit Gehirn-Problemen wie kognitiven Problemen in Verbindung gebracht. So z.B. der Interleukin-6-Spiegel und der C-reaktives Protein (CRP) Spiegel, welche beide auf Entzündungen hinweisen. [1]

Des Weiteren fand man bei Rheuma-Patienten auch signifikant verschlechterte Sprachkompetenzen, Logik und Kurzzeitgedächtnis in verschiedensten Untersuchungen aus dem Jahre 2017. [3]

Rheuma und Brain Fog

Rheuma hat große Auswirkungen auf das Gehirn und speziell auch den sogenannten Gehirnnebel bzw. Brain Fog.

Konzentrationsprobleme sind eine mögliche Folge von Rheuma

Betroffene von chronisch entzündlichen Erkrankungen wie Rheuma berichten von einer ständigen Vergesslichkeit, Konzentrationsprobleme und anderen Symptomen von Brain Fog wie etwa wenig Motivation, Reizbarkeit, Gedächtnisprobleme, Angst sowie Verwirrtheit.

Momente wie „Warum bin ich gerade in dieses Zimmer gegangen?“ kennt jeder. Wenn das aber sehr häufig vorkommt, kann das ein Zeichen für den Gehirnnebel sein.

Eigentlich ist Brain Fog bzw. Gehirnnebel nicht mal ein medizinischer Begriff und dennoch wird das Symptom immer mehr von Ärzten anerkannt, da es bei einer Summe von Erkrankungen vorkommen kann.

In Studien fand man auch, dass Personen, die Medikamente zur Rheumabehandlung nutzten, eine hohe Wahrscheinlichkeit hatten unter Problemen des Gehirn bei Rheuma zu leiden.

Rheuma und Entzündungen

Rheuma hat also Auswirkungen auf das Gehirn. Aber wodurch entsteht der Zusammenhang zwischen Rheuma und dem Gehirn?

Bei Rheuma sind ganz allgemein zahlreiche Entzündungskörper erhöht. In Studien fand man speziell, dass Interleukin-6, Interleukin 10 und TNF-Alpha bei Patienten mit Rheumatoider Athritis erhöht waren. [5] Genau solche Entzündungsmarker können aber auch mit kognitven Beeeinträchtigungen in Verbindung gerbacht werden.

Auch wenn die Auswirkungen von TNF-Alpha auf das Gehirn nicht vollständig geklärt sind, so gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass TNF-Alpha neurotoxisch wirkt und bei viral geprägten neurologischen Erkrankungen besonders ausgeprägt wäre! [6]

Wie im Beitrag „Depression durch Darmprobleme und Entzündungen“ beschrieben, können Entzündungsmarker wie Interleukin-6, wie Sie bei Rheuma oft erhöht sind, das Gehirn und hier sogar Depression negativ beeinflussen.

Auch eine Verbindung von TNF-Alpha und Brain Fog bzw. Gehirnnebel wird vermutet.

Rheuma und Depression

depressives Mädchen

Rheuma macht depressiv

Im Abschnitt „Rheuma und Entzündungen“ bin ich bereits auf die Auswirkungen von Rheuma auf das Gehirn und Depression näher eingegangen.

Depression gilt als eines der häufigsten Begleiterkrankungen von Rheuma. So fand man in einer Studie mit 150 Personen, dass 54% der Teilnehmer mit Rheuma auch unter Depression litten, während nur 17% der Teilnehmer in der Kontrollgruppe unter der Erkrankung litten. [7]

In anderen Studien fand man sogar bei über 70% der Rheuma-Patienten depressive Symptome. Die Stärke der Depression stand wiederum in direkter Korrelation mit der Intensität von den Rheuma-Symptomen.

Aber nicht nur Rheumatoide Athritis kann Auswirkungen auf das Gehirn und damit auf Depression haben, auch andere Formen von Athritis wie Psoriasisarthritis oder Gicht können Depression bei Rheuma begünstigen.

Auch andere psychische Symptome können bei Rheuma auftreten. So berichten Rheuma-Betroffene beispielsweise regelmäßig auch von Angst, innerlicher Unruhe, Aufmerksamkeitsstörungen oder Schlafprobleme!

So führt Rheuma zu Depression!

Umso höher die Entzündungen bei Rheuma sind, desto stärker auch die Depression! Speziell Menschen die schon länger unter Rheuma leiden, bekommen die Auswirkung auf die Psyche zu spüren, da bei Ihnen die Entzündungen Sie bereits chronisch beeinträchtigen.

Depression muss aber nicht nur die Folge von Entzündungen bei Rheuma sein. Auch der Verlust von Freizeit- und Sozialaktivitäten bei Menschen mit rheumatoider Arthritis erhöht nachweislich signifikant das Risiko für depressive Symptome. [8]

Eine Depression beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen drastisch und führt zu Arbeitsunfähigkeit und verschlechtertem Funktionieren von Betroffenen im Alltag.

Rheuma, Demenz und Alzheimer

Wir haben jetzt bereits mehrmals gehört wie Rheuma das Gehirn negativ beeinflussen kann. Aber wussten Sie, dass Rheuma auch das Gehirn in anderen Bereichen verbessern kann?

frau mit alzheimer

Alzheimer und Rheuma

So einen Effekt fand man zumindest bei Demenz bzw. Alzheimer. Das dürfte allerdings weniger an der Erkrankung Rheuma selber liegen, sondern eher an den Medikamenten. So sollen Medikamente wie krankheitsmodifizierende Antirheumatika in einer Studie bei 3876 Menschen das Demenzrisko um bis zur Hälfte reduziert haben. Den stärksten Effekt fand man bei Methotrexat. [12]

Rheuma und Demenz haben ein charakteristisches gemeinsames Merkmal: Entzündungen. So findet man bei beiden Erkrankungen erhöhte entzündliche Biomarker wie u.a. Interleukin-6, Interleukin-12 und C-reaktives Protein. [12]

Wenn Rheuma-Patienten also Medikamente zur Reduzierung von Entzündungen bekommen, so kann das auch eine signifikante Auswirkung auf andere entzündlich Erkrankungen wie Demenz haben. Aber auch auf weitere Erkrankungen könnten die Rheuma-Medikamente durch Unterdrückung der Entzündungen einen positiven Einfluss haben. [12]

Im Gegenzug scheinen allerdings Rheuma-Medikamente wie Methotrexat langfristig die Entstehung von bösartigen Tumoren zu erhöhen. [13]

Tipps gegen Rheuma

Wir wissen also, dass Rheuma eine große Auswirkung auf Gehirn und Psyche haben kann. Aber was kann man als Betroffener mit Rheuma machen?

paella

Eine mediterrane Ernährung schützt vor Rheuma

Prinzipiell kann man Rheuma leider nicht heilen, dennoch gibt es zahlreiche Dinge, die man machen kann, um bei Rheuma seine Symptome zu bessern. Während Ärzte bei einer Rheumatoide Athritis mit Medikamenten wie u.a. Entzündungshemmer oder Schmerzmittel arbeiten, so verwenden Heilpraktiker verschiedenste natürliche Behandlungsmaßnahmen gegen Rheuma. Die richtige Behandlung sollte unbedingt mit einem Arzt abgeklärt werden.

Hier aber noch ein paar Tipps gegen Rheuma, die Sie selber machen können:

Die richtige Ernährung gegen Rheuma

Wer Rheuma und die Auswirkungen auf das Gehirn erlebt, der möchte die Symptome in der Regel so schnell wie möglich wegbekommen. Hier kann die Ernährung ein hilfreicher Faktor sein. Hilfreich ist unter anderem:

  • viel Fisch und Omega 3: In Studien fand man, dass Rheuma-Patienten, die häufig Fisch wie z.B. Lachs aßen eine deutlich niedrigere Rheuma-Aktivität hatten. [9] Das mag mit der schmerzlinderden und entzündungshemmenden Wirkung der Omega-3-Fettsäure zusammenhängen, welche wiederum nicht nur bei Rheuma, sondern auch zur Stärkung des Gehirn hilfreich ist.
  • Antioxidantienreiche Lebensmittel: wirken gegen Entzündungen. Dazu zählt viel Gemüse und Obst und z.B. auch Kaffee. Besonders reich sind: Blaubeeren, Zwiebel (Quercetin), Zitrusfrüchte, Brokkoli, Mais, Süßkartoffeln, Granatapfel und Beerenobst
  • gesunde Fettsäuren: wie eben aus Fisch bzw. Fischöl, Kokosöl, Olivenöl, Leinöl, Hanföl und Avocado

Vermeiden sollten Sie im Gegenzug:

  • Fertignahrungsmittel mit zugesetztem Zucker, ungesunden Transfetten, chemischen Zusatzstoffe
  • Gluten und Kasein: können Entzündungen fördern und sind häufige Allergene
  • Nahrungsmittelallergene und unverträgliche Lebensmittel
  • Arachidonsäurereiche Lebensmittel vermeiden. Dazu zählt: Wurst, Eier, Schweineschmalz
  • Omega-6 reiche Lebensmittel: Der Körper bildet aus diesen Lebensmittel Archidonsäure. z.B. konventionelles Fleisch (nicht bei Weidefleisch der Fall), konventionelles Eigelb (nicht bei Bio Eier der Fall), aber auch in Pflanzenölen wie Sonnenblumenöl und Sojaöl

Rheuma-Betroffene sollten zur Besserung potenzieller Gehirn-Probleme und Gelenksprobleme ganz speziell auf eine ausreichende Zufuhr von Antioxidantien wie antioxidativ wirkenden Vitamine oder sekundäre Pflanzenstoffe achten. Wenn man täglich mehrere Portionen Obst und Gemüse isst und evtl. weitere antioxidantienreiche Lebensmittel wie Kakao oder Kaffee regelmäßig verzehrt ist der Bedarf aber schnell gedeckt.

Eventuell könnte es bei Rheuma auch sinnvoll sein regelmäßig seine Vitamin- und Mineralstoffhaushalte zu überprüfen.

Mediterrane Ernährung für Rheuma und Gehirn

Seit mehreren Jahren gibt es zahlreiche Berichte von Patienten mit rheumatoider Athritis, die ihre Erkrankung mithilfe von Ernährungsmaßnahmen drastisch verbessern konnten. Positive Effekte fand man bei der Ernährung gegen Rheuma beispielsweise beim Fasten.Auch eine Veränderung in der Darmflora könnte sowohl bei Rheuma als auch für das Gehirn große Auswirkungen haben.

In Studien zeigte man außerdem, dass eine Ernährung mit einem hohen Gehalt an Fisch, Olivenöl und gekochtem Gemüse, wie das bei der mediterranen Diät der Fall ist, vor Rheuma schützen könnte. So zeigte man in einer Studie bei einer solchen Diät an 56 Menschen eine deutliche Besserung von Rheuma-Problemen.

Etwas Sport auch bei Rheuma

Trotz Rheuma ist es wichtig aktiv zu bleiben. Zahlreiche Rheumasymptome wie etwa Gelenksschmerzen oder Morgensteifigkeit steigen mit zunehmender Inaktivität.

Besonders Sportarten wie Radfahren, Yoga oder Walken bzw. Spazieren gehen sind für Rheumapatienten empfehlenswert. Besprochen sollte das dennoch zuvor mit einem Arzt werden!

Weitere natürliche Behandlungsmaßnahmen

Bei der Behandlung von Rheuma und damit zusammenhängende Gehirn-Symptome können antientzündliche Stoffe wie etwa Kurkuma, Ingwer, Fischöl mit Omega-3, aber auch entzündungshemmendes Gemüse- und Obst sowie zahlreiche Kräuter unterstützend wirken.

Ansonsten sollte man bei chronisch entzündlichen Autoimmunerkrankungen auch unbedingt den Alltagsstress reduzieren. Dabei können Spaziergänge genauso helfen wie Meditation und Yoga. Auch ausreichend Schlaf kann dabei entscheidend sein.

Außerdem ist auch ausreichend Schlaf für einen gesunden Körper entscheidend. Während der Schlafenszeit hat der Körper die Möglichkeit zu heilen. Schlafmangel kann Rheuma und andere chronische Autoimmunerkrankungen negativ beeinflussen.

Referenzen
  1. https://www.nature.com/articles/s41467-018-04648-0
  2. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1002/acr.21683
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15319812
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3744877/
  5. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0301054614000184
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/12476354
  7. https://www.scirp.org/journal/PaperInformation.aspx?PaperID=92584
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4476349/
  9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28635117
  10. https://www.nature.com/articles/s41598-017-13168-8
  11. http://www.sciencemediacentre.org/expert-reaction-to-impact-of-arthritis-drug-on-dementia-in-rheumatoid-arthritis-patients/
  12. https://www.trci.alzdem.com/article/S2352-8737(17)30062-8/fulltext
  13. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0190962217321151
  14. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1754473/
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